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1. Wie lang ist der Weg insgesamt?

Von Görlitz nach Erfurt beträgt die Strecke etwa 360 Kilometer, nach Vacha noch einmal 90 Kilometer, insgesamt also 450 Kilometer.

2. In welchen Abständen sind Herbergen anzutreffen?

Zwischen 20 und 30 Kilometer. In den Städten gibt es meist mehrere Möglichkeiten, um ausweichen zu können, falls eine Herberge belegt ist. Oft ist es angeraten, sich ein, zwei Tage vorher telefonisch anzumelden.

3. Wie sind die Herbergen ausgestattet?

Die Herbergen sind sehr einfach eingerichtet, grundsätzlich mit Matratzen, Waschgelegenheiten und Toiletten.

4. Muß man Bettzeug bei sich haben?

Wichtig sind auf jeden Fall Isomatte und Schlafsack. Die Isomatte sichert einen Schlafplatz, falls doch einmal keine Matratze frei ist. Außerdem wird aus Gründen der Hygiene die Isomatte auf den Matratzen ausgerollt.

5. Welche Dinge sollte man unbedingt mitnehmen?

  • Sonnenschutz (Tuch oder Hut), Regenschutz
  • ein paar leichte Wechselschuhe (z.B. Trekkingsandalen)
  • Trinkflasche (lieber eine kleine, die bei Bedarf aufzufüllen ist)
  • Messer, Löffel, Feuerzeug
  • Badesachen, evt. Bürste, Waschmittel und Klammern für die Kleidung
  • Reiseapotheke mit Pflastern, Binden, Mobilatsalbe, Mineralientabletten
  • Schlafsack und Isomatte

6. Findet man den Pilgerweg auch ohne den Pilgerführer?

Der Weg ist durchgängig mit der gelben Muschel auf blauen Grund markiert und demnach auch ohne Karte zu finden.

7. Sind Hunde in den Unterkünften an der Strecke erlaubt?

Jede Herberge handhabt die Frage anders. Wir bitten um Rücksicht, wenn Herbergseltern den Hund nicht mit ins Haus lassen.

8. Kann man den Weg mit dem Fahrrad fahren oder mit dem Pferd bereisen?

Der Ökumenische Pilgerweg ist als Wanderweg ausgelegt, kann aber auch mit dem Fahrrad befahren oder mit dem Pferd beritten werden. An Stellen, an denen das Fahren nicht möglich ist, findet sich ein entsprechendes Zeichen im Pilgerführer.

9. Werden Gruppenwanderungen angeboten?

Der Ökumenische Pilgerweg ist ein individuelles Angebot, welches man in eigener Regie nutzen kann. Wer also nicht gern allein gehen möchte, schließe sich mit anderen zusammen, was mitunter auch spontan auf dem Weg passieren kann. Ein weiteres Medium für die Suche nach Mitpilgern ist das Forum in dieser Homepage.

10. Wie führt der Weg weiter nach Santiago de Compostela?

In Vacha schließt der Ökumenische Pilgerweg an den Rhön-Jakobsweg nach Fulda und Würzburg an. In Eisenach kann man bereits den Elisabethpfad nutzen, der nach Marburg und weiter nach Köln führt. Die Kontaktdaten sind in unserer Linkliste untergebracht.

11. Was war die Via Regia im historischen Sinn?

Die Via Regia war eine alte Handelsstraße, deren Anfänge in das frühe Hochmittelalter zurückreichen. Als eine der wichtigsten europäischen Fernhandelsstraßen verband die Via Regia die Messeplätze Frankfurt und Leipzig und stellte schon damals die wichtigste Ost-West-Verbindung Europas dar. Wichtige mitteldeutsche Städte entstanden aufgrund der Straße, w.z.B. Görlitz, Leipzig, Erfurt ("Am Anfang war die Straße"). Von den Hussitenkriegen im 15. bis zu den napoleonischen Feldzügen im frühen 19. Jahrhundert wurde die Via Regia wiederholt von Armeen benutzt. In ihrem Einzugsgebiet fanden daher große Schlachten statt. Ab dem 19. Jhr. geriet die Altstraße immer mehr in Vergessenheit.

12. Was ist ein Pilger?

Im römischen Reich war das Stammwort für Pilger - peregrinus - die Bezeichnung für jemanden, der dauerhaft in der Fremde lebt. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts verwendete Augustinus den Begriff als Umschreibung für das auf Gott gerichtete Christenleben in der Welt. Seit dem 11. Jahrhundert führte der verstärkte Besuch heiliger Stätten zu der Vorstellung, den Gnadenort als Sinnbild des himmlischen Jerusalems anzusehen und den Gang dorthin als peregrinatio zu bezeichnen. Zum zentralen Motiv für die Pilgerreise wurde die umfassende Versöhnung mit Gott durch die Fürsprache des betreffenden Heiligen. Ein kirchliches Verabschiedungsritual mit feierlicher Segnung der Insignien Tasche und Stab machte den Menschen des Mittelalters zum Pilger. Für die Dauer ihrer Reise waren die Pilger Angehörige eines eigenen Standes, der sich aus einem temporären Verzicht auf die Welt und ihre materiellen Bindungen rechtfertigte. Bis zum Spätmittelalter entstand ihre charakteristische Kleidung mit breitkrempigem Hut, weitem Mantel und Skapulier, die neben den funktionalen Eigenschaften Erkennungszeichen und Standesmerkmal war.

13. Weshalb ist der Pilgerweg "ökumenisch"?

Nachdem Luther das Pilgern deutlich abgelehnt hat, verschwand es fast gänzlich aus dem protestantischen Bewusstsein. Heute äußert sich gerade in der evangelischen Kirche ein starkes Bedürfnis nach ursprünglichen, christlichen Glaubensgesten. Einen Pilgerweg in einem protestantischen Land entstehen zu lassen, bedurfte also einer starken inhaltlichen Auseinandersetzung zwischen beiden Konfessionen. Dies hat sich im Pilgerführer niedergeschlagen, der von einer evangelischen Christin und
einem katholischen Christen geschrieben wurde. Auch die Herbergen sind christliche Häuser verschiedener Konfessionen, in denen unvoreingenommene Begegnung zwischen Protestanten und Katholiken, Christen und Angehörigen anderer Religionen, Gläubigen und Nichtgläubigen geschieht.
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