Görlitz
In Görlitz sollte man einen Tag verbringen, bevor man startet. Die östlichste Stadt Deutschlands ist reich an idyllischen Ecken und kultureller Offenheit. Übernachten kann man in einer der vier Herbergen, die in Görlitz für Pilger bereit stehen. Am nächsten Morgen beginnt die Reise an der neuen Altstadtbrücke, über die der polnische Jakobsweg in den Ökumenischen Pilgerweg mündet. Vom Ufer der Neiße führt dieser dann entlang eines alten Kreuzweges bis zum Heiligen Grab und von dort geradewegs aus der Stadt hinaus. An der Stadtgrenze biegt man nach rechts und folgt der Ausschilderung bis nach Ebersbach.
Königshainer Berge
Auf Feldwegen verläßt man Liebstein mit Weitblick in Richtung der Königshainer Berge. Der Anstieg im kleinsten Gebirge Deutschlands führt zur Hochsteinbaude. Dort kann man ein einfaches und günstiges Pilgermahl zu sich nehmen. Der Markierung folgend, gelangt der Pilger wieder aus dem Gebirge heraus nach Arnsdorf. In der Pfarrscheune ist eine gemütliche Herberge vorbereitet. Der Weg führt weiter über die Heidehäuser nach Döbschütz entlang kleiner Straßen. In Döbschütz wendet man sich zum Schloss und erreicht über den Dammweg Melaune, wo eine weitere Herberge zur Verfügung steht. Übers Feld geht es nach Tetta und von dort aus ins benachbarte Buchholz. Die Herberge ist in der alten Schule neben der Kirche frisch eingerichtet.
Bautzen
In Bautzen folgt der Wegverlauf der alten Via Regia, welche um die Innenstadt seitlich herum geführt hat. Die ursprüngliche Stammesfeste der Sorben wurde im 10. Jahrhundert erobert und 1002 als „Civitas Budusin“ das erste Mal urkundlich erwähnt. Nach 1000 Jahren ist Bautzen immer noch Hauptstadt der Sorben und ihr politischer und kultureller Mittelpunkt. Es lohnt sich, in der Innenstadt auf Spurensuche zu gehen. Wer den Pilgerweg wieder aufnimmt, steigt hinunter zur Spree und folgt dann der Ausschilderung in Richtung Salzenforst. Bergan läuft man an alten Hohlwegen vorbei, die ein Zeichen für Altstraßen sind.
St. Marienstern
Hinter dem Ort Uhna und Schmochtitz führt der Weg hinauf zum Milleniumsdenkmal, einem gottesdienstlichem Areal. Die Zeichen sorbischer Gläubigkeit sind überall zu sehen, vor allem an den vielen Kruzifixen am Wegrand. Hinter Crostwitz biegt der Verlauf nach links ab und führt bergab und bergan auf Kloster St. Marienstern zu. Seit dessen Gründung 1248 lebten und beteten hier Zisterzienserinnen ohne zeitliche Unterbrechung. Die riesige Klosteranlage erreicht der Pilger über eine alte Wegverbindung von Schweinerden her. An der Pforte kann man um ein Nachtlager bitten.
Kamenz
In Kamenz verlässt man die Straße nach halblinks und folgt der Muschel oder dem roten Punkt bis ins Herrenthal. Dieses durchläuft man bis unterhalb der Marienkirche, wo nach rechts steile Stiegen hoch zum Markt führen. Von dort aus weist der Weg Richtung Hutberg, den man um der schönen Aussicht halber erklimmen kann (man kann auch die Straße um den Berg herumgehen). Der Schotterweg nach Schwosdorf wird „Alte Poststraße“ genannt und führt angenehm bergab. Man läuft durch den Ort, an dessen Ende eine Herberge wartet. Direkt dahinter biegt der Weg in den Wald ein und führt einige Kilometer durch ihn hindurch bis Reichenau und weiter nach Königsbrück.
Von dort aus weist der Weg Richtung Hutberg, den man wegen der schönen Aussicht und der Herberge neben dem Hutbergturm erklimmen kann (man kann auch die Straße um den Berg herumgehen).
Königsbrück
Königsbrück bildet den Übergang der Lausitz in die Großenhainer Ebene und besitzt mit dem Armenhaus Stenz eine der urtümlichsten Herbergen. Aber auch in der Pfarre kann der Pilger Ruhe finden für Körper und Seele. Er wandert heraus aus der Stadt, indem er am Armenhaus nach links abbiegt. Feldwege führen zur Lausnitzer Heide. Das originale Wegstück durch diesen Wald war fast in Vergessenheit geraten und ist erst für den Pilgerweg wieder frei geräumt und gangbar gemacht worden. Es ist eine der Perlen auf dem Gesamtverlauf. Über Schönfeld geht der Weg parallel der alten Via Regia, der heutigen Bundesstraße bis nach Großenhain hinein.
Großenhain
Großenhain entstand maßgeblich durch die mittelalterliche Fernhandelsstraße. Vom Großenhainer Marktplatz aus folgt man der Meißner Straße und biegt von ihr nach rechts in die Auenstraße ein, um so durch den Stadtpark nach Skassa zu gelangen. Dort geht man auf der Hohen Straße weiter, die zur ältesten Furt der Elbe nach Merschwitz leitet. Diesen Weg sollte man in den Wintermonaten nutzen, wenn der Fährbetrieb in Strehla ruht. Der ausgeschilderte Verlauf weist jedoch über Glaubitz, Zeithain bis nach Lorenzkirch, wo die Fähre von März bis Oktober täglich bis 20.00 Uhr übersetzt.
Strehla
Strehla verlässt man auf dem Sträßlein in Richtung Leckwitz. Dort überquert der Weg eine Kreuzung und hält sich weiter geradeaus bis die Straße nach einem Kilometer eine Linkskurve beschreibt. Direkt hinter der Kurve biegt man nach rechts ein und folgt dem Feldweg hinauf zum Liebschützberg. Dieser Weg ist als „Alte Salzstraße“ bekannt und gibt das authentische Empfinden einer mittelalterlichen Handelsstraße wieder, die wegen der versumpften Täler meist auf Höhenzügen verlief. Vom Bergrücken absteigend, erreicht man Lampertswalde, danach Dahlen und Börln.
Wurzen
In Wurzen passiert man den Jakobsplatz und die Jakobsgasse, in deren unmittelbarer Nähe ehemals ein Pilgerhospital, eine Jakobskirche und ein Jakobstor standen. Diese historischen Spuren verweisen auch hier auf die Via Regia, welche durch ihre Furt in der Mulde die Stadt begründete. Der Pilgerweg führt an der Großen Mühle vorbei und überquert die Mulde nördlich, um so nach Grubnitz und Nepperwitz zu münden.
Leipzig
„Durch Leipzig muss man durch“ galt es schon damals, als die Stadt ein Knotenpunkt wichtiger Handelsstraßen bildete und zudem das Messeprivileg besaß. Leipzig war und ist eine Stadt der Bewegung, was man am intensivsten dann spürt, wenn man durch die gesamte Stadt hindurch läuft. Von Sommerfeld aus folgt man dafür einfach der Hauptstraße, der Eisenbahnstraße und der Rosa-Luxemburg-Straße bis zum Stadtring. Der historische Verlauf führte entlang der Grimmaschen Straße zum Markt und von dort der heutigen B 87 nach zur Stadt hinaus. Der Ökumenische Pilgerweg verlässt Leipzig jedoch durch das Rosental und entlang der Luppe in Richtung Sachsen-Anhalt.
Kleinliebenau
In Kleinliebenau hat der Kultur- und Pilgerverein die Kirche zur Herberge ausgebaut. Beim Unterqueren der Autobahn A9 betritt der Pilger das Bundesland Sachsen-Anhalt. Zuerst grüßt Horburg mit seiner meist offenen romanischen Kirche, die einst auch Wallfahrtskirche zu einer weinenden Madonna war. Man wandert weiter nach Zweimen und gelangt, der Muschel folgend, nach einiger Zeit an einen Tagebausee, umgeht die Dörfer Zöschen, Wegwitz und Wallendorf nördlich und biegt erst in Höhe Luppenau vom Schotterweg ab. Von diesem Dorf leitet ein Pfad nach Merseburg.
Merseburg
Geht man die Straße immer geradeaus, kommt man an das Ufer der Saale, wo die Neumarktkirche St. Thomae steht. Sie ist die älteste Kirche der Stadt und dient heute als Herberge für Pilger. Von der Saale aus steigt man die steilen Stufen zum Domberg auf. An diesem alten Bischofssitz wurden schon früh Reichstage abgehalten und Otto I. gründete hier ein Bistum. Auf dem Domplatz weist die Muschel in Richtung Bahnhofstraße. Vor dem Bahnhof biegt man nach links ab und wendet sich dem Gotthartsteich zu. An dessen Ufer leitet die Ausschilderung zum Südpark. Durch urige Sumpflandschaft führt der Pfad nach Zscherben.
Freyburg
Über die renaturierte Tagebaulandschaft südlich von Merseburg führt der Pilgerweg zum Waldgebiet „Alte Göhle“. Hat man den Wald verlassen, führt der Burgholzweg zum Edelacker. Dort kann man zur Neuenburg abbiegen, in der eine seltene Doppelkapelle erhalten ist. Oder man folgt dem Pilgerweg, der zur Stadt hinunterführt. Die idyllische Stadt lädt zum Verweilen und Genießen. Herberge findet der Pilger bei einer christlichen Familie am Bahnhof. Freyburg lässt man hinter sich, indem man die Unstrut linksseitig flussabwärts geht. Einst muss die Altstraße in der Nähe Kleinjenas den Fluss überschritten haben und auf der anderen Talseite nach Großwilsdorf aufgestiegen sein. Hohlwege zeugen heute noch davon. Der Pilger bleibt jedoch auf der linken Uferseite und läuft unterhalb der „Steinernen Bibel“ bis zum Zusammenfluss von Unstrut und Saale.
Naumburg
Im Blütengrund setzt eine Fähre über und ein Fußweg führt nach Naumburg. Die Innenstadt betritt man durch das Marientor. Weiter verläuft der Pilgerweg über den Marktplatz zum Dom, der außer den berühmten Stifterfiguren noch viele andere Schätze bewahrt. Naumburg kam zur Blüte, als der Handel seinen Weg ab dem 13. Jahrhundert nicht mehr über Merseburg, sondern über Weißenfels nahm. Die auffällig breite Jakobsstraße zeugt heute noch davon. In Naumburg kann man im Haus der Kirche unterkommen. Oder man fragt das katholische Jugendbildungshaus St. Michael in Rossbach an. Dorthin gelangt man der Ausschilderung folgend, durch das Georgentor und über den Bauernweg.
Eckartsberga
Hinter Rossbach steigt die Königsstraße hinan, auf deren Verlauf der Pilgerweg nach oben und zu einem herrlichen Ausblick über das Saaleeck führt. Durch das Naturschutzgebiet „Göttersitz“ wandert man oberhalb der Saale auf Fränkenau zu. Weiter geht es über Punschrau nach Spielberg, von dort nach Zäckwar und weiter nach Benndorf. Hinter dem Ort steigt der Weg noch einmal an und erklimmt die Finne, einen langgestreckten Höhenzug. Vom Turm der Eckartsburg hat man einen weiten Blick ins Thüringer Becken. In der Pfarre kann man Nachtlager erbitten.
Stedten
In den nun folgenden Arealen ist der ursprünglich Wegverlauf oft unterpflügt worden, aber die Orte, die er wahrscheinlich durchzog sind, soweit möglich durch den Pilgerweg verbunden. Über Thüsdorf, Rudersdorf und Oberreißen mündet der Pilgerweg in Nermsdorf. Das Dorf lädt mit seinem schön angelegten Kern zum Verweilen ein. Die Muschel weist einen kleinen Pfad entlang des Baches, wodurch man einen, zwar nicht historischen, aber schönen Zugang nach Buttelstedt erhält. Nach Schwerstedt führt ein Radweg auf einem stillgelegten Bahndamm. In Stedten findet man im Turmzimmer der Dorfkirche Nachtlager mit Blick in alle Himmelsrichtungen.
Erfurt
Der ausgeschilderte Verlauf folgt dem einstigen Verlauf der Via Regia nach Ottmannshausen und von dort weiter nach Hottelstedt und Ollendorf. Die Via Regia führte, so wie der Pilgerweg auf der heutigen Leipziger Straße etwa drei Kilometer in die Stadt hinein. Damals haben sich die Wagen der Händler nach dem Passieren der Tore innerhalb des Stadtkernes verteilt, um ihre Ware zu wiegen und anzubieten. Der Pilgerweg führt über die Maienbergstraße, die Krämerbrücke und die Marktstraße zum Domplatz. Erfurt wurde im Mittelalter als das „Rom des Nordens“ bezeichnet und zeugt noch heute mit einer Vielzahl einmaliger Kirchen davon.
Gotha
Erfurt verlässt der Pilger über den Brühler Hohlweg. In Schmira kreuzt der Wegverlauf die Bundesstraße und führt fortan südlich der Straße, die mit dem einstigen Verlauf der Via Regia nahezu identisch ist. Im Fürstenhof wird Pilgern ein günstiges Mahl gereicht und im Dorf Frienstedt, nördlich gelegen, ist in der Pfarre eine Herberge eingerichtet. Auf landwirtschaftlichen Wegen geht es nach Kleinrettbach, Tüttleben und schließlich nach Gotha. Hier stehen drei liebevolle Unterkünfte bereit.
Neufrankenroda
Der Abstand der Städte Erfurt – Gotha – Eisenach von jeweils 25 Kilometern macht deutlich, wie sehr sich die Besiedlung nach dem damaligen Maß einer Tagesreise richtete. In Gotha biegt der Pilgerweg vom Brühl in die Eisenacher Straße ein. Man erreicht den Kriegberg, einen ehemaligen Truppenübungsplatz, um nun auf dem Feldweg über die Höhe immer westwärts zu wandern. In Neufrankenroda kann man um Nachtlager bitten. Weiter über den Hainberg nähert man sich immer weiter den Hörselbergen, welche früher aus Angst vor dem dort hausenden Wotan, der lockenden Venus oder mancherlei singender Geister gemieden wurden. Der Pilger geht heute angstfrei durch den Wald entlang alter Grenzgemarkungen. Vom Kleinen Hörselberg steigt er ab nach Eichrodt, von wo ein Radweg nach weist.
Eisenach
Ein altes Industriegebiet muss durchschritten werden, bevor sich Eisenach in seiner historischen und kulturellen Vielfalt offenbart. Drei Herbergen stehen zur Verfügung, von denen aus ein entsprechender Entdeckungsgang möglich ist. Wie ein von Wäldern umrahmter Spiegel zeigt Eisenach etwa 900 Jahre deutscher Geschichte, geprägt durch die Landgräfin Elisabeth, Martin Luther, Johann Sebastian Bach, Richard Wagner und vielen anderen. Der Pilgerweg führt über den Schlossberg hinauf zur Wartburg, die zur Überwachung der Via Regia diente und sich heute als B 84 in engen Kurven durch das Gebirge windet.
Vacha
Die Muschel weist ein Stück des Rennsteiges bis zum Vachaer Stein und führt dann über den Napoleonweg nach Oberellen. An der alten Schule neben der Kirche kann man nach Unterkünften fragen. Die letzte Etappe des Pilgerweges führt anfangs hinan zum Sallmannshäuser Rennsteig, hinab nach Wünschensuhl und gleich wieder hinauf zum Lerchenberg. Oben angekommen, betritt der Pilger einen großen Wald, den er bis kurz vor Vacha nicht mehr verlässt. Über eine Steinbrücke erreicht der Pilger Vacha als das Ziel, was eigentlich von sich weiter weist. Über die einstige innerdeutsche Grenze hinweg mündet der Ökumenische Pilgerweg in den Rhönjakobsweg ein.
Beim Klick auf OK wechseln Sie zur externen Seite .